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Petra Traxler-Pilgram

„Nicht lehren, nicht lernen – wachsen lassen aus den eigenen Wurzeln“.

Franz Čižek, österreichischer Maler, Designer und Kunsterzieher Begründer des Wiener Kinetismus

Der Wiener Kinetismus entstand in den 1920er Jahren an der Wiener Kunstgewerbeschule (heutige Universität für angewandte Kunst) und gilt als österreichischer Beitrag zu den internationalen abstrakten, futuristischen und konstruktivistischen Tendenzen der damaligen Kunst. Die Ausstellung „Dynamik! Kubismus | Futurismus | Kinetismus“ im Unteren Belvedere (2011) und das Buch “Wiener Kinetismus. Eine bewegte Moderne“ dokumentieren diese Kunstrichtung.  Das zentrale Thema in Čižeks Lehre bildete die Bewegungsdarstellung, der Kinetismus (griechisch kinesis = Bewegung).

 

Die österreichische Malerin und Grafikerin Traxler-Pilgram entwickelt aus dem Kinetismus ihre ganz persönliche Formensprache und gestaltet virtuos ihre „bewegten Figuren“. Doppeldeutigkeiten werden bewusst inszeniert. Figuren können vom Betrachter in Bewegung als auch als „bewegt“ wahrgenommen werden. Das Spiel zwischen Aktivität und Passivität entwickelt sich zu einem spannungsgeladenen Dialog. Redensarten werden zum essentiellen Transporteur von Botschaften, begleiten gleichberechtigt die Schwarz-Weiß-Malerei, stülpen innere Bilder nach Außen und untermalen diese. Was bleibt sind Anspielungen. Diese Prozesse werden begleitet von Zwiegesprächen zwischen Bewusstem und Unbewusstem, Verstand und Gefühl, Wort und Bild.

 

Was ist der Mensch in Auseinandersetzung mit sich selbst, der Gesellschaft und seinem Umfeld? Dieser Frage widmet sich Traxler-Pilgram als Künstlerin, Philosophin, Pädagogin, Historikerin und auch als Privatperson. Damit schafft sie ihren ganz persönlichen ganzheitlichen, interdisziplinären Zugang. Sie spielt mit Worten und allen Sinnen, malt sich Vieles aus, lotet Möglichkeiten und Variationen aus, sortiert und gewichtet Gedanken, vernetzt Emotionen – Bewegung kommt ins Spiel.

 

Der spannungsgeladene Interpretationsspielraum eröffnet neue Perspektiven. Traxler-Pilgram jongliert mit verschiedenen Titeln, lenkt die Assoziationen in unterschiedliche Richtungen, lässt die bewegten Figuren immer „weiterlaufen“. Manchmal „vergaloppieren“ sie sich, springen auf Doppelgleisiges und Unbewusstes, Verbotenes, Verdrängtes oder auf klassische Rollenbilder auf. Der Humor macht sie stets gesellschaftsfähig.

 

Sagenhaft utopisch! Menschliche Erfahrungen haben kein Ablaufdatum! Traxler-Pilgram folgt der Ansicht des Psychologen C. G. Jung, dass sie in den Tiefen eines kollektiven Unbewussten verankert sind. Dann und wann lösen sie sich los und erscheinen in Form von Archetypen in Mythen, Märchen, Träumen und der Kunst. Sie wandern von Generation zu Generation, von Mensch zu Mensch. Sie wollen wachrütteln und von der Vergangenheit einen Blick auf die Zukunft werfen.

 

Die multiplen Bildtitel akzentuieren die Bildinhalte, lenken die Assoziationen in unterschiedliche Richtungen, betonen die Mehrdimensionalität des Themas und verdeutlichen die Vielschichtigkeit der Werksserien.

 

 

(Sonja Dolzer, BURN-IN Galerie, Wien)